Geschichte


Die Vereinsgeschichte des Sch├╝tzenvereins Alverskirchen v. 1840 e. V.

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Die Vereinsgeschichte:

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Die Sch├╝tzengilden

Die Anf├Ąnge der Sch├╝tzengilden reichen bis in das 11. Jahrhundert zur├╝ck. Ihre urspr├╝ngliche Aufgabe bestand darin, Haus und Hof, Frau und Kind, Bauernschaften und D├Ârfer vor wilden Tieren und umherstreunenden Feinden zu sch├╝tzen und in Notf├Ąllen helfend einzugreifen. Durch Eid zu Bruderschaften verbunden, forderten sie den ganzen Menschen, nicht nur in Notzeiten, sondern auch bei Gelagen und Festlichkeiten. Das Sch├╝tzenzeichen (Kleinod), ein Vogel aus Holz, Bronze oder Silber, ist aus dem heidnischen Vogelschussritual ├╝bernommen worden. Je nach der politischen Lage traten die Sch├╝tzengilden ├Âffentlich oder auch geheim auf.

Die kirchliche und weltliche Obrigkeit erkannte gegen Ende des 14. Jahrhunderts recht bald, dass Sch├╝tzenfeste sich zur Schaffung und Aufrechterhaltung freundschaftlicher Beziehungen untereinander recht gut eigneten. Der lebende Sch├╝tzenvogel, entweder ein Papagei, Hahn oder Adler, wurde durch einen h├Âlzernen Vogel ersetzt. Am Anfang wurden die Preise nach Gr├Â├če und Gewicht der abgeschlossenen Teile verteilt. Nicht mehr der wohlhabende B├╝rger, welcher den ersten Schuss tat, wurde K├Ânig, sondern derjenige, der den Rest des Vogels von der Vogelstange abschoss. Die Wettk├Ąmpfe nahmen den Charakter von Lustbarkeiten an und die Kirche hob mahnend den Finger, damit dies nicht ausartete. Geschossen wurde mit der Armbrust, einer wehrhaften Waffe, vorher mit Pfeil und Bogen.

Mit der Erfindung des Schie├čpulvers ersann der Mensch neue Waffen, die B├╝chsen. Durch ihr schweres Gewicht musste eine Gabel den Sch├╝tzen beim Schuss behilflich sein. Mit der Erfindung des Steinschlosses wurden die B├╝chsen leichter und handlicher. Unsichere Zeiten machten die Wehrerziehung innerhalb der Gilden notwendig. Die Landesherren und Stadtr├Ąte dehnten ihren Einfluss auf die Gilden immer mehr aus. Turnvater Jahn, ohne dies direkt zu wollen, hat in seinen Schriften den Vereinen einen neuen Weg gebahnt, indem er die Sch├╝tzenfeste als Ph├Ąnomen ÔÇ×Festlichkeit, Feierlichkeit und BrauchtumÔÇť zuordnete. Am 11. Juni 1861 wurde der deutsche Sch├╝tzenbund gegr├╝ndet und gleichzeitig fand in Gotha das erste deutsche Sch├╝tzenfest statt. (Aus der Festschrift 150 Jahre Sch├╝tzenverein Alverskirchen e.V.)

Die Jahre 1840 - 1902

Die ├Ąlteste Plakette der Alverskirchener Sch├╝tzenkette datiert aus dem Jahre 1840. K├Ânig in diesem Jahr war A. H├Âlscher. Zur K├Ânigin erkor er sich Frau M. C. P├╝ning. Nach den siegreichen Kriegen 1864 (D├Ąnemark), 1866 (├ľsterreich) und 1870/71 (Frankreich) wurde aus dem urspr├╝nglichen Sch├╝tzenverein der ÔÇťKrieger- und Landwehr-Verein AlverskirchenÔÇť. Sein Motto lautete: Ruhm und Ehre dem K├Ânig, Liebe und Treue dem Vaterlande.

Am 10. Januar 1872 ist das erste Kriegerfest beim Wirt Gerhard Pletzer (heute Grause) gefeiert worden. Im noch vorhandenen Protokollbuch hei├čt es: ÔÇťDes Morgens um 10 Uhr wurde ein feierliches Hochamt gehalten. Nach demselben Parade-Aufstellung. Um 1 Uhr gemeinschaftliches Mittagessen und um 3 Uhr Appell der Krieger aus den Feldz├╝gen von 1846, 1866 und 1870/71. Demn├Ąchst um 4 Uhr Festball, der bis 11 Uhr Abends w├Ąhrte. Bei genanntem Feste waren die Chargen (Dienstgrade) folgenderma├čen verteilt:

1. Oberst Anton Clevorn
2. Adjutant Schulze-Wettendorf
3. Hauptmann Theodor Gro├če-Holling
4. Leutnant Colon Buhsmann
5. Leutnant Franz L├╝ke
6. Feldwebel Joseph H├Âlscher
7. F├Ąhnrich Heinrich Brinkmann
8. Fahnenoffiziere die Invaliden Theodor Strohb├╝cker und Anton Gerd Holling
9. Batallionstambour Josef Pletzer.ÔÇť

Im seit 1878 gef├╝hrten Mitgliedsbuch sind die Mitglieder mit "Charge" - dem Dienstgrad - bzw. der Waffengattung aufgelistet. Es finden sich folgende Chargen: Infanterist, Garde - Infanterist, Artillerist, Curassier, Husar und Train. Ein Mitglied Franz L├╝ke war Unteroffizier. Ab 1880 ist die Spalte "Charge" nicht mehr ausgef├╝llt.

Die Statuten des Kriegervereins wurden aufgrund der ÔÇťAllerh├Âchsten Kabinetts - OrdreÔÇť vom 22. Februar 1842 Ministerial - Blatt Seite 98 und vom 6. Juni 1844 Ministerial - Blatt Seite 232 durch die Ortspolizeibeh├Ârde am 31. M├Ąrz 1879 genehmigt und mit der Unterschrift des Amtmannes des Amtes Wolbeck versehen. Nach m├╝ndlicher ├ťberlieferung war von 1878 - 1881 David Kreikenberg Hauptmann. Er war ein wortgewaltiger Mann und verf├╝gte ├╝ber eine gute Kommnandostimme. Bei der morgentlichen Begr├╝├čung seiner angetretenen Sch├╝tzen begann er seine Ansprache wie folgt: ÔÇ×... als ich meine Augen zum Himmel erhob, da zitterte die Erde.ÔÇť

Der Krieger- und Landwehrverein hatte sich neben der Heimat- und Brauchtumspflege einige besondere Schwerpunkte gesetzt, die sp├Ąter vom Sch├╝tzenverein ├╝bernommen wurden und bis zum heutigen Tag ihre G├╝ltigkeit nicht eingeb├╝├čt haben. Diese sind:

- den Sch├╝tzensonntag mit einem Gottesdienst f├╝r die Gefallenen, vermissten und verstorbenen Kameraden zu beginnen,
- den Toten der Kriege ein ehrendes Andenken durch Niederlegung eines Kranzes am Ehrenmal zu bewahren,
- den verstorbenen Mitgliedern die letzte Ehre zu erweisen, wobei in jedem Falle die Vereinsfahne mitgef├╝hrt wurde und noch wird.

Wie in jeder Vereinigung so gab es auch in der Alverskirchener Sch├╝tzengeschichte H├Âhen und Tiefen. In der Versammlung am 17. Mai 1885 wurde beschlossen, im Juni noch ein Kriegerfest zu halten und dann wegen Gleichg├╝ltigkeit der Mitglieder von einer weiteren Hebung der Beitr├Ąge abzusehen, den Verein also vorl├Ąufig einschlafen zu lassen. Auch die jeweilige wirtschaftliche Lage der Bev├Âlkerung spielte eine nicht unbedeutende Rolle. Doch stets blieb man dem Althergebrachten treu.

Immer gab es M├Ąnner in der Gemeinde, die sich f├╝r die Erhaltung und Weiterf├╝hrung des Vereins eingesetzt haben. So konnten die Tradition bewahrt, die zwischen menschlichen Beziehungen gepflegt und ausgebaut werden. Bauernschaften und Dorf hielten treu zusammen. Bei Sch├╝tzenfesten war ganz Alverskirchen eine gro├če Familie. Wie hie├č es doch:

ÔÇťIn guete Tied, in leige Tied, wie hoalt bineene alltied.ÔÇť

Ein Jahr sp├Ąter, am 2. Mai 1886, beschloss man, das Kriegerfest aufzuheben und ein Sch├╝tzenfest veranstalten zu wollen. Es unterschrieben diesen Wunsch ca. 70 Mitglieder. In einer weiteren Versammlung am 14. Juni 1886 wurde von s├Ąmtlich unterzeichnenden Sch├╝tzen folgendes beschlossen:

- 1. ein allgemeines Sch├╝tzenfest zu feiern
- 2. wann und wo das Fest gefeiert wird
- 3. dass aus den Sch├╝tzen ein Komitee gebildet werden sollte, das f├╝r alles Sorge zu tragen hatte.

Unter Vorsitz von Heinrich Schwinhorst, Verwalter auf Gut Br├╝ckhausen, wurde ein 14k├Âpfiges Komitee gew├Ąhlt und die Feier des Sch├╝tzenfestes auf den 8. Juli festgesetzt.

Vom Komitee wurden folgende Hauptleute gew├Ąhlt:

Heinrich Stapel, Oberst
Heinrich Schwinhorst, Hauptmann
August Forstmann, Adjutant
Christoph Schulze Wettendorf, Offizier
Bernhard Merten, Offizier
Bernhard Terberl, Feldwebel
Josef H├Âlscher, Fahnrich
Heinrich Enking, Fahnenoffizier
Christian Br├╝ning, Fahnenoffizier
Carl Th├╝sing, Schaffner
Theodor M├╝nstermann, Schaffner

Da auch in fr├╝heren Jahren ein Sch├╝tzenverein existiert hat, so war noch ein silberner Vogel (dieser war von Freiherr von H├Âfflinger Gut Br├╝ckhausen gestiftet worden) nebst 8 Schilder und Kette vorhanden, der bei Pohlmanns (heute Zurm├╝hlen) in Verwahrsam lag.

Es wurde beschlossen, vom Sch├╝tzenÔÇôKomitee zur Verabfolgung des Vogels ein Gesuch an den Gemeindevorstand zu richten, was jedoch mit dem Bemerken beantwortet wurde, es m├╝ssen die ganzen Gemeinde-Eingesessenen ihr Wort abgeben, weil dieselben s├Ąmtlich ein Recht daran h├Ątten.

Darauf beschloss das Komitee des Sch├╝tzenvereins s├Ąmtlich nach Pohlmanns zu gehen, um auf freundschaftlichem Wege den Vogel in Besitz zu nehmen, was auch unter dem Beisein zweier Ehrenmitglieder Bern. Netter und Fritz Brinkmann ohne jegliche Weigerung gelang. So hielt der Vogel, getragen vom Ehrenmitglied Bern. Metter seinen feierlichen Einzug im Dorfe Alverskirchen. Am 8. Juli 1886 fand beim Wirt Gerhard Pletzer das Sch├╝tzenfest statt, wozu extra ein ger├Ąumiges Zelt geliehen wurde. Von 2 bis 4 Uhr K├Ânigsschie├čen wozu sich 77 Sch├╝tzen einstellten. Den K├Ânigsschuss tat Theodor Bolte, Zimmergeselle bei Bernhard Sch├╝rmann. Als K├Ânigin w├Ąhlte er sich Maria Thieling, Dienstmagd bei Colon Sandfort. Der Vorstand war mit einem Abzeichen ÔÇťStern auf der Brust versehenÔÇť und hatte die Verpflichtung, Eintrittskarten auszugeben, ├╝berhaupt f├╝r Ruhe und Hebung des Festes Sorge zu tragen. W├Ąhrend des Festes, welches in sch├Ânster Ruhe und Ordnung verlief, war nur "Humor" (heitere Gem├╝tsstimmung) zu bemerken. Es endete unter Zufriedenheit s├Ąmtlicher Anwesenden nachts um 2 Uhr. Es spielte die Musikkapelle Lautenbach von Ahlen ausgezeichnet und erhielt per Mann 6 Mk = ÔÇťSummaÔÇť 48 Mk.

Im Jahre 1888, sowie von 1890 - 1902 wurden keine Sch├╝tzenfeste gefeiert.

Die Jahre 1903 - 1940

Ab 1903 wurde wieder j├Ąhrlich gefeiert. Vom Sch├╝tzenfest des Jahres 1909 ist zu berichten, dass kein Alverskirchener Wirt das Fest ├╝bernehmen wollte.

Es wurde dann in den Anlagen des Vorstandsmitgliedes Runde gefeiert und das Fest verlief in recht feuchtfr├Âhlicher Stimmung. Der Champagner floss sehr reichlich. Malermeister Anton Wiesmann bildete mit Frau Anna Niehoff das K├Ânigspaar. Es war f├╝r eine lange Zeit das Fest, von dem die Alverskirchener sprachen. Diejenigen Sch├╝tzen, welche die Fl├╝gel abschossen, waren die Fl├╝gelk├Ânige. Sie geh├Ârten automatisch zum Thron. Da zur damaligen Zeit der Schulunterricht bis 4 Uhr nachmittags dauerte, wusste die heimkehrende Schuljugend immer von den Fl├╝gelk├Ânigen zu berichten. Der K├Ânigsschuss fiel, je nach L├Ąnge des Schie├čens, viel sp├Ąter. Die Fl├╝gelk├Ânige im Jahre 1909 hie├čen Anton Walkenhaus und Anton Reifeld.

Mit dem Verwalter der Brennerei Gerbermann, Josef L├╝tkenhaus, bekam Alverskirchen 1914 einen ÔÇ×Nieddelk├ÂnigÔÇť. Hiermit hat es folgende Bewandtnis: Gerbermanns Fuhrknecht Felix Heitmann, als guter Sch├╝tze bekannt, schoss auf den Vogel. Obwohl nur wenige Sch├╝sse gefallen waren, barst der kaum getroffene Vogel in zwei Teile und viel herunter. Der verdutzte Sch├╝tze warf eilends die B├╝chse weg und mit schnellen Spr├╝ngen war er auf Nimmerwiedersehen in den nahen hohen Brennnesseln f├╝r immer verschwunden. Nun war guter Rat teuer. Der gr├Â├čte Teil des Vogels wurde - nach Beratung des Vorstandes - schlie├člich wieder auf der Stange befestigt, und das muntere Schie├čen ging weiter. Josef L├╝tkenhaus tat den K├Ânigsschuss und er erkor sich Frl. Bernadine Schemmann zur K├Ânigin. Sie war mit ihren 17 Jahren recht jung und der damalige Pastor Deppenbrock wetterte. Einige Jungfrauen, die trotz seines Verbotes an den Festlichkeiten teilgenommen hatten, wurden von der Jungfrauenkongregation ausgeschlossen. Nicht aber die junge K├Ânigin!

Der erste Weltkrieg unterbrach die Sch├╝tzenfeste. Mit dem Lied: ÔÇťGloria, Victoria, mit Herz und Hand f├╝rs VaterlandÔÇť zogen die jungen Sch├╝tzen in das Feld hinaus, im felsenfesten Glauben, den Krieg schnell und siegreich zu beenden. Jedoch sollten ├╝ber vier Jahre in das Land hineingehen, bis die Waffen ruhten. Mancher junge Mann und Familienvater kam nicht wieder und viele waren in Gefangenschaft, aus der sie erst nach langer Zeit in die Heimat zur├╝ckkehrten.

Folgende Sch├╝tzenbr├╝der kehrten nach Beendigung des ersten Weltkrieges aus der Gefangenschaft zur├╝ck:

Anton Vages ┬á Wilhelm Achtermann ┬á Theo H├Âlscher
oseph Lütkenhaus   Wilhelm Hinse   Hermann Schurmann
Joseph Sommerhage   Reinhold Grause   Hermann Strohbücker
Joseph Mertens   August Steinhoff   Josef Fronholt
Joseph Averbeck   Ferdinand Brinkmann   August Koch


Der Vorstand des Sch├╝tzenvereins beschloss mit dem neuen Vorsitzenden Bernhard H├Âlscher am 1. April 1920 ein Sch├╝tzenfest verbunden mit der Gefangenenheimkehr am 05. Juli 1920 zu feiern. Das Fest wurde nun ganzt├Ątig gefeiert. Es verlief bei guter Witterung in der besten Stimmung. Die K├Ânigsw├╝rde errang August P├╝ning und erkor seine Nachbarin, Frau Maria Niehues zur K├Ânigin. Nun organisierte der K├Ânig den Hofstaat, die Ehrung der Fl├╝gelk├Ânige fand ein Ende. Er ernannte vier Hofherren, zwei aus dem Dorfe und zwei aus den Bauerschaften. Diese sollten die Verbundenheit zwischen Dorf und Bauerschaft deutlich herausstellen. Die vier Hofherren erkoren sich ihre Hofdamen selbst. Auch die Kostenregelung erfuhr eine Neuerung. Ein Drittel der geldlichen Ausgaben trug der K├Ânig allein.

Die ├╝brigen zwei Drittel wurden zu gleichen Teilen vom K├Ânig und den vier Hofherren getragen. Diese Regelung hat im Grundsatz bis heute ihre G├╝ltigkeit.

Eine neue Vereinsfahne wurde im Jahre 1922 angeschafft. Dieselbe wurde von Herrn Oberst Vincke mit einer Flasche Sekt getauft. Die K├Ânigsw├╝rde errang nach hartem schwerem Kampf mit dem 172. Schuss Herr Franz Schulze Wettendorf.

1923 konnte das Sch├╝tzenfest leider nicht gefeiert werden, weil ein Verbot der Regierung f├╝r s├Ąmtliche Tanzlustbarkeiten erlassen war, wegen der Ruhrgebietsbesetzung durch die Franzosen. Es herrschte Inflation. Eine Mark besa├č den Wert von Millionen. Da die Gemeinde ein neues Kriegerdenkmal errichtet hatte, ├╝bernahm der Sch├╝tzenverein die Feier der Einweihung.
Auf der Generalversammlung im M├Ąrz 1925 wurden zwei Herolde zur Versch├Ânerung des Festzuges bestimmt. Clemens Baumh├Âver und Clemens G├Ąhr wurden gew├Ąhlt. Auf allgemeinen Wunsch wurden Federn f├╝r die Sch├╝tzenh├╝te gekauft. Die H├╝te f├╝r Oberst und Hauptmann erhielten roten- und gr├╝nwei├čen Federschmuck.
Das Sch├╝tzenfest 1926 wurde am 14. Juni in der aller besten Stimmung gefeiert. Beim Antreten der Sch├╝tzen zum Abmarsch zur Vogelstange wurde zuerst ein Kranz am Kriegerdenkmal niedergelegt. Herr Oberst Vincke hielt dabei eine ergreifende Rede, die allen Sch├╝tzenbr├╝dern sowie allen Gemeindeeingesessenen zu Herzen ging. Die Generalversammlung beschloss am 27. M├Ąrz 1927, dass die K├Ânigin den Kranz zur Niederlegung am Ehrenmal stiften sollte. Im Sterbefall waren einheimische Mitglieder, die l├Ąnger als f├╝nf Jahre im Verein sind, mit Fahne und Musik zu beerdigen. Bei Soldaten sollte auch B├Âllerschie├čen oder eine Ehrensalve abgegeben werden.
Am 28. Februar 1928 nahm das treue Vorstandsmitglied Joseph L├╝tkenhaus, Verwalter bei Gerbermann, Abschied vom Verein. Als sein Nachfolger wurde Bernhard Leivermann in den Vorstand gew├Ąhlt. Mitglieder, die l├Ąnger als 25 Jahre im Verein sind, sollen eine Auszeichnung erhalten. Beim Sch├╝tzenfest wurde mit dem 480. Schuss Emil Tertilt K├Ânig, welcher sich Frau Schwermann zur K├Ânigin erkor. 1930 feierte der Sch├╝tzenverein sein 90j├Ąhriges Bestehen. Tambour Bernhard Lanfer wurde anl├Ąsslich seiner 25j├Ąhrigen T├Ątigkeit in den Vorstand gew├Ąhlt. Oberst Bernhard Vincke tat mit dem 203. Schuss den K├Ânigsschuss. Zur K├Ânigin erkor er sich Frau Willenbrink, Wirtschafterin bei Herrn Willi Beese.
Der Sch├╝tzenverein gab sich am 15. M├Ąrz 1930 neue Statuten. Die Statuten unterschrieben:

Aloys Runde, Ehrenvorsitzender    P. Schwinhorst, Vorstandsmitglied und Hauptmann
Bernhard H├Âlscher, Vorsitzender ┬á ┬áAnt. Wiesmann, Vorstandsmitglied
A. Puning, Stellv. Vorsitzender    H. Brüning, Vorstandsmitglied
Wiesmann, Schriftführer    B. Vincke, Vorstandsmitglied und Oberst
Hockenbeck, Vorstandsmitglied    
Brinkmann,Vorstandsmitglied    
Lanfer, Vorstandsmitglied    


1931 mitten in der Weltwirtschaftskrise fand das Sch├╝tzenfest am 15. Juni statt. Der wirtschaftlichen Notlage entsprechend konnte sich erst kein Mitglied entschlie├čen, den entscheidenden Schuss zu tun. Um 2.15 Uhr nachmittags erschien Wilhelm M├Âllers sen. an der Vogelstange, mit den Worten: ÔÇ×Wat is denn loss. K├Ânnt gi dat Dierken nich runner kriegen? GivÔÇśt mi ├Ąs de B├╝ss!ÔÇť Er legte an, schoss und Alverskirchen hatte einen neuen K├Ânig, wenn auch im Arbeitszeug, da er noch morgens mit Pferd und Wagen Heu und Stroh nach M├╝nster gebracht hatte. Da er schon 1913 K├Ânig gewesen war, wurde er an Ort und Stelle zum Kaiser erhoben. Frau Hegemann, seine fr├╝here Mitregentin, erkor er sich zur Kaiserin.

Das anschlie├čende Fest verlief in den Anlagen des Sch├╝tzenbruders Linnemann in bester Stimmung, bis es um 0.30 Uhr durch Brandalarm j├Ąh unterbrochen wurde. Es brannte die Scheune des Gutsbesitzers Schulze Hockenbeck. Die Festversammlung war in wenigen Minuten in alle Winde zerstreut. Die Ober konnten fast nicht die Zeche der Sch├╝tzen einziehen. Nach L├Âschung des Brandes fanden sich noch einige Unentwegte wieder ein und feierten mit dem Kaiser, bis der Morgen graute. Angesichts der wirtschaftlichen Notlage im Lande und bei etwa 6 Millionen Arbeitslosen fiel das Sch├╝tzenfest 1932 aus. Anstelle des Sch├╝tzenfestes fand ein Ausflug zum Sch├╝tzenkameraden Hermann Strohb├╝cker verbunden mit einem Preisschie├čen statt. Abends war Preisverteilung und anschlie├čend Tanz.

Zur Vorstandssitzung am 28.02.1934 war auch der St├╝tzpunktleiter der hiesigen N.S.D.A.P. anwesend und brachte den Antrag ein, dass zwecks Gleichschaltung mindestens zwei Mitglieder aus der Partei mit in den Vorstand hinein m├╝ssen. Darauf legten der Vorsitzende und der gesamte Vorstand ihre Posten nieder. In der Generalversammlung am 25.03.1934 berichtete der St├╝tzpunktleiter ├╝ber den R├╝cktritt des gesamten Vorstandes und ├╝ber die Gleichschaltung. Es traten dem neuen Vorstand zwei Mitglieder der N.S.D.A.P. bei. Ein altes Vorstandsmitglied lies sich nicht wieder aufstellen. Dann ├╝bernahm der alte Vorsitzende wieder die F├╝hrung des Vereins. Die Versammlung wurde nach Singen des Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes geschlossen.
Beim Sch├╝tzenfest 1935 erhielt das Ehrenvorstandsmitglied Onkel Alois Runde zu seinem 50j├Ąhrigen Vereinsjubil├Ąum eine Ehrenurkunde verbunden mit einem Orden feierlich ├╝berreicht. Sch├╝tzenk├Ânig wurde Brennereibesitzer Hermann Gerbermann, der sich seine Braut Frl. Emilie Bisping zur K├Ânigin erkor. Das Fest verlief in sch├Ânster Weise, bis nachts gegen 1 Uhr ein starkes Gewitter die Feier beendete.
Am 05. Juli 1937 feierte der Sch├╝tzenverein das 98. Stiftungsfest. Die Sch├╝tzen waren zur Messe f├╝r die gefallenen und verstorbenen Mitglieder des Vereins recht zahlreich erschienen. Nach dem Fr├╝hschoppen war der Abmarsch zur Vogelstange. An der Vogelstange ging es schon gar bald lustig zu. Eifrig wurde um die K├Ânigsw├╝rde geschossen. Der K├Ânigsschuss gelang schlie├člich dem Ehrenmitglied Hermann Laumann. Als K├Ânigin erw├Ąhlte er sich Frau Tertilt.
Dem Hofstaat geh├Ârten an:

  Emil Tertilt - Frau Richter     Anton Reifeld - Frau Reifeld
  Franz Richter - Frau Laumann     Bernhard Niehoff sen. - Frau Niehoff

Das Sch├╝tzenfest verlief in allerbester Stimmung, wozu der nunmehr 662 Jahre alte Thron nach Kr├Ąften mitwirkte.

Im M├Ąrz 1938 fand ein Opferschie├čen f├╝r das Winterhilfswerk statt. Der Ertrag brachte - nach Abzug aller Kosten - f├╝r das W.H.W. 25,80 RN. Gleichzeitig fand eine Vorstandssitzung statt, in deren Verlauf der St├╝tzpunktleiter den gesamten Vorstand aufl├Âste. Nur der Vorsitzende blieb in Amt und W├╝rden. In der Generalversammlung am 03. April 1938 wurde der Vorstand mit allen Rechten und Pflichten wieder eingesetzt. Der ├ältestenrat wurde neu gew├Ąhlt.

Ende 1938 Anfang 1939 wurde an der S├╝dseite des Sportplatzes an der Hollinger Stra├če hinter dem Haus Duric ein Schie├čstand zum Kleinkaliberschie├čen gebaut. 300 Reichsmark wurden von der politischen Gemeinde bewilligt. Die gleiche Summe stellte der Sch├╝tzenverein zur Verf├╝gung.

Am 2. und 3. Juli 1939 wurde das 100j├Ąhrige Sch├╝tzenfest gefeiert. An den Ortsausg├Ąngen hatte man aus diesem Anlass Ehrenb├Âgen errichtet.

Die Sch├╝tzenvereine der umliegenden Gemeinden waren eingeladen worden. Das Antreten erfolgte an der Telgter Stra├če. Oberst Bernhard Vincke fungierte als Kommandeur aller angetretenen Sch├╝tzen. Nach der Paradeaufstellung bewegte sich ein stattlicher Festzug durch das Dorf zum Sportplatz. Die Begr├╝├čung s├Ąmtlicher Vereine wurde durch den Vorsitzenden Bernhard H├Âlscher vorgenommen. Ein Beifallssturm erhob sich, als Frau Hegemann ein Ehrenbanner, das von den ehemaligen K├Âniginnen gestiftet worden war, an die Vereinsfahne heftete. Oberst Vincke hielt die Festrede und gedachte der Gefallenen der Kriege. An dem neuen Schie├čstand entwickelte sich anschlie├čend ein hei├čer Kampf um die ausgesetzten Preise. Die Schuljugend erfreute die Sch├╝tzen und G├Ąste durch Vorf├╝hrungen. Vor dem Abmarsch wurde der traditionelle Fahnenschlag vom Sch├╝tzen H. Br├Âker nach der Musikweise mit dem Text:

 

ÔÇťP├Ąlmke h├Ątt sien Wiefken schlagen,
dat will ik i├Ąr Moder klagen.
Oh watt fien, oh watt fien!
Eene Pulle Brandewien.ÔÇť

 


vorgef├╝hrt.Nach dem Parademarsch entwickelte sich im Festzelt ein geselliges Zusammensein, womit der erste Tag ausklang.

Sch├╝tzenvorstand:
Heinrich Sandfort, Josef Starp, Bernhard Kortmann, Anton Reifeld, Bernhard Leivermann, Bernhard Niehoff

Der zweite Tag begann mit den Festhochamt, Totenehrung und Weihe der neuen Vereinsfahne. An der Vogelstande kam es zu einem hei├čen Ringen um die K├Ânigsw├╝rde. Durch einen wohlgezielten Schuss holte Sch├╝tze Willy M├Âllers jr. den Rest des Vogels von der Stange. Zur K├Ânigin erkor er sich Frl. Agnes Sandfort.
Den Hofstaat bildeten:

  Alfons Eggert - Frl. Hedwig Sch. Hockenbeck     Klemens Kortenjan - Frl. Maria Wellermann
┬á Heinrich Strohb├╝cker - Frl. Anny Werring ┬á ┬á Heinrich Treutmann - Frl. Amalia H├Âlscher

Am Nachmittag wurde das Fest mit dem Zug durch das Dorf und dem Fahnenschlag fortgesetzt. Nach der Polonaise am Abend schwang Jung und Alt nach den Weisen der Musik das Tanzbein. Oberst B. Vincke hielt eine humorvolle Ansprache an das K├Ânigspaar und den Hofstaat. Schriftf├╝hrer Hubert Wiesmann verlas die Namen s├Ąmtlicher K├Ânigspaare seit 1840 und frischte damit manche sch├Âne Erinnerung wieder auf. Insgesamt kann behauptet werden, dass das Jubelfest in bester Stimmung verlief und ein jeder zufrieden war. Vorstand und Festausschuss sahen in dem guten Verlauf des Festes die Kr├Ânung ihrer Arbeit.

Aus dem Protokoll der Generalversammlung vom 14. April 1940:

ÔÇťDie vom Vereinsf├╝hrer einberufene Generalversammlung wurde von ihm gegen 17.40 Uhr er├Âffnet. Er erinnerte daran, dass wieder einmal die Fackel des Krieges entz├╝ndet sei und forderte nun erst recht einiges Zusammenstehen. Nach einem kurzen R├╝ckblick auf das Jubelfest 1939 wurde die Rechnungslage er├Ârtert und f├╝r in Ordnung befunden. Die Beitragszahlung von 3,00 RN soll beibehalten werden. Einer Anregung aus der Versammlung heraus wurde eine Sammlung f├╝r eine P├Ąckchensendung an die eingezogenen Mitglieder durchgef├╝hrt, die den Betrag von 38,00 DM RN erbrachte. Der Vereinsf├╝hrer schloss um 20.15 Uhr die Versammlung.ÔÇť

Der zweite Weltkrieg unterbrach f├╝r eine lange Zeit ÔÇťdas Fest der FesteÔÇť im Dorf Alverskirchen. Die jungen M├Ąnner wurden zu den Waffen gezogen. Je l├Ąnger der Krieg andauerte, desto j├╝nger wurden die zur Wehrmacht oder zum Arbeitsdienst Einberufenen. Der Tod der gefallenen und vermissten Soldaten brachte in viele Familien gro├čes Leid.